Schlafwandeln

Hier eine urbane Legende:

In den 70er Jahren lebte in einem Vorort in den USA eine Familie  - Mutter, Vater, Kind.

Die Tochter war der ganze Stolz des Vaters. Letztere litt an Schlafwandeln und wachte durchaus mal in der Küche oder auch mal im Garten auf. Als er allerdings eines Morgens auf dem Dach aufwachte, wollte seine Frau endlich was unternehmen. Aus den  Freundeskreis bekam sie den Rat, zu  einer Hellseherin zu gehen, welche den Ehemann einer Freundin auch schon bei seinem Schlafproblem geholfen haben soll.

 

Bei der Sitzung sagte die Hellseherin, dass ihr Ehemann verflucht sei durch die Nacht zu wandeln und deswegen nicht ruhig schlafen konnte. Eines Tages soll er sogar in der Nacht verschwinden. Um die erschrockene Ehefrau etwas zu beruhigen, gab sie folgenden Rat mit: Der Mann soll ein Armband mit Glöckchen dran tragen, damit sie es mitbekommt, wenn er wieder aus dem Bett geht. Dies funktionierte eine Weile gut, bis zu den Morgen als er „einfach weg“ war. Die Frau rief die Polizei, aber diese konnten ihn auch nicht mehr finden und so blieb er offiziell verschwunden.

 

Jedoch geht es noch etwas weiter: Die Mutter wollte nun ihrer Tochter beibringen, nachdem die Polizei nicht helfen konnte, dass ihr Vater verschwunden ist. Als sie anfing wurde sie nach den ersten Sätzen von ihrer Tochter unterbrochen. Sie holte aus ihrem Puppenhaus eine Puppe her, die wie ihr Vater aussah – und auch die Armbänder mit den Glöckchen trug. Sie meinte mit einem Lächeln zu ihrer Mutter, dass der Vater doch versprochen hätte, sie niemals zu verlassen. Die Mutter sah die Puppe verwirrt an. Sie wusste zu diesem Zeitpunkt nur eins und zwar, dass sie die Puppe vorher nie gesehen hatte.

 

Hier ein paar Hinweise:

  • Auch gibt es verschiedene Varianten von der urbanen Legende
  • Durch die Aussage der Hellseherin soll der unheimliche Wendepunkt in das Leben einer scheinbar „normalen“ Familie gezeigt werden
  • Als Deutung können hier Verlustängste gesehen werden:

 - aus der Sicht der Mutter: Die Angst vom Ehemann verlassen zu werden                                                           

 - aus der Sicht der Tochter: Die Angst ihren Vater bzw. ihr fürsorgliches Elternhaus zu verlieren

 - aus der Sicht des Vaters: Die Angst die Tochter alleine zu lassen und sie bzw. seine Familie nicht mehr      beschützen zu können